27. Juli 2009

Arbeit und Leben: Pflicht oder Kür?

Abgelegt unter: Allgemein — Tags:, , — mary @ 12:26

Heute las ich in einem Newsletter folgenden Aphorismus - zum Thema ‚Arbeit’ wohlgemerkt.

Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude.

Ich erwachte und sah, das Leben ist Pflicht.

Ich tat meine Pflicht und siehe, das Leben ward Freude.

Rabindranath Tagore, bengalischer Dichter, Philosoph, Maler u. Komponist, 1861 - 1941

Die Aussage löste bei mir sehr zwiespältige Gefühle aus. Viele Menschen tun sehr wohl ihre Pflicht - und das nicht nur in und während der Arbeit und bei weitem stellt sich nicht für alle heraus, dass das Leben unbedingt dadurch freudiger wird.

Daneben erlebe ich häufig die gegenteilige Kategorie, solche, die tatsächlich glauben - und Medien, Ratgeber, Coaches, ja auch die, vermitteln die Botschaft - dass das Leben eine einzige Kür, ein einziges Happening sei und man/frau nur ein wenig sein Verhalten und seine Glaubenssätze ändern müsse - und schwupps, sei alles erreichbar: Arbeits-und Lebensfreude auf Knopfdruck, Erfolg, Gesundheit und immerwährende Glücksgefühle.

Mir ist beides zu kurz gegriffen: Es darf und muss auch neben der Pflicht noch so etwas wie die Kür geben, wozu Erfolg, Freude, Anerkennung, Begeisterung gehören, sonst droht früher oder später der Burnout. (Ganz abgesehen von der Frage, ob es nicht auch ein Recht auf Arbeit gibt….)

Andererseits kann ich nicht erwarten, dass meine Arbeit mir immer und allezeit nur Freude bereitet, Spass ohne Unterlass bringt und ein Tag ohne Selbstverwirklichung ein verlorener Tag ist. Selbst der berühmteste Maler muss irgendwann seine Steuererklärung machen (lassen), sich neue Farbe kaufen oder bestellen, will sagen, sich um Dinge kümmern, die weniger Spaß und direkte Freude bringen, als das Ausleben seiner Kreativität, sprich das Malen seiner oder ihrer Bilder.

Was mich noch stört: Hier wird Leben gleich Pflicht und Pflicht gleich Arbeit und Arbeit gleich Leben gesetzt. Das ist mir zu absolut betrachtet. Leben besteht eben nicht NUR aus Arbeit, sondern auch, wie viele es ja schon kapiert haben, darin, die Balance hinzukriegen zwischen Arbeit, Freizeit, Beziehung, körperlicher und geistiger Ertüchtigung, um das alte Wort mal wieder zu benutzen (statt Fitness).

Letztendlich kommt es wie bei allen Dingen darauf an, das recht Maß für sich selbst zu finden. Wem das gut gelingt, den würde ich schon als Lebenskünstlerin, als Lebenskünstler bezeichnen. Dies allerdings ist, will man/frau Meisterschaft in dieser Disziplin erlangen, eine lebenslange Aufgabe.

Haben Sie Freude daran!

Mit sommerlichen Grüßen

14. Juli 2009

Schreibblockaden-Virus

Abgelegt unter: Allgemein — Tags:, , — mary @ 17:22

Liebe Leserin, lieber Leser dieses meines Lebenskunst-Blogs,

Leben ist Auf und Ab - welch Binsenweisheit - es ist schönster Sommer … und ICH hatte/habe eine Schreibblockade. Und zwar eine ausgewachsene. Sie müssen sich das so vorstellen wie eine Sommergrippe: sie kündigt sich zwar irgendwie an, aber dann überfällt sie Sie doch unerwartet, dafür aber mit Heftigkeit, und Ihnen ist gleich und sofort klar: dieses Mal hat es dich erwischt. Kein Entrinnen.

Ich ‚infiziere’ mich mit diesem Schreibblockadevirus in schöner Regelmäßigkeit.

Das Ergebnis ist in etwa immer dasselbe: ich kriege nicht einen Gedanken mehr zu ‚Papier’.

Meine Gedanken stauen sich: wie auf einer Kalenderblatt-Schwarzweiß-Fotografie der Central Station in New York: da drängen Tausende, jedenfalls ZU viele Menschen Richtung Ausgang und nix geht mehr.

Genauso geht es dann in meinem Kopf zu. Zu viele Gedanken, Gedankenverknüpfungen, Ideen, Mitteilenswertes drängt sich da zusammen, will auf einmal raus - und staut sich.

Zuweilen nehme ich dieses Bild der Central Station für meine Gedanken und ‚arbeite’ damit:

Ich stelle mir vor, ich platziere mich vor den Ausgängen und vor den irre drängenden Personen bzw. Gedanken und schreie in ein Megaphon: Schnautze! Aus! Schicht! Nun mal schön einer nach dem anderen, sonst kommt ihr hier nie raus! Das wirkt. Manchmal.

Leider bin ich vom Central-Station-Stauvirus schon so geschwächt, dass ich auch für andere Viren eine leichte Beute bin. Dazu zählen Schreibblockadenviren folgender Spezies:

- Die Ich-vergleich-mich-Viren: Ich versuche zu schreiben, klicke auf ein paar andere Webseiten … da schlägt der Ich-vergleiche-mich-Virus zu - und lässt die Finger ermattet von den Tasten sinken.

- Der „Wenn-dann-Marketing-Virus”: Nur wenn ich alle, alle Marketingregeln beachte, dann „darf” ich den KundenInnen schreiben, sonst liest mich sowieso niemand plus den

- „Ich-muss-den-Kundennutzen-rausstellen-Virus”… und darf um Gottes oder des Kunden Willen niemals, niemals diesen megawichtigen Punkt vergessen, denn es könnte was gaaaaaaaaaanz, ganz Schlimmes passieren, wenn ich ‚nur’ von mir berichte: a) will das keine(r) wissen und sowieso ist b) das Internet die Orwell-Plattform schlechthin, wo noch 1000000 Jahre später alles nachzuvollziehen ist, was ich je über mich - oder die Welt - geschrieben habe…

Nundenn, Sie sehen, ich bin in der Regenerationsphase angekommen, sonst würden Sie das hier jetzt nicht lesen können.

Noch ein paar Auszeiten-Tage auf dem Land, dazu Sommersonne und Vögelgezwitscher und Ruhe und Menschen, die mich seit meiner Kindheit kennen und mich freudig begrüßen, denen ich nicht ‚beweisen’ muss, wie gut ich doch einen Newsletter oder einen Blogartikel schreiben kann, wie toll ich meine Angebote formuliere, dass mich jede, jeder buchen will und der Virus wird - für dieses Mal - auskuriert sein.

Demnächst und in Bälde mal wieder mehr. Und bis dahin:

Warme Sommertage, helle Sommernächte und die Fülle des Lebens.

Maria Ast

Lebenskunst-BLOG is proudly powered by WordPress